Eine Alleinerziehende und die Armut

Johannas Mutter, dargestellt von Barbora Hrzánová, ist in dem tschechischen Kinderfilm ‚Der blaue Tiger’ nicht die Hauptperson, vielmehr nimmt sie als Alleinerziehende hinter ihrer kleinen Tochter eine Nebenrolle ein. Dies tut sie auch, indem sie in verschiedenen Szenen den Haushalts-Tätigkeiten Bügeln und Putzen nachgeht. Wenn sie sich mit Johanna unterhält, gibt es einfache Frage-Antwort-Dialoge zwischen Tochter und Mutter. Diese werden jedoch durch Johannas Fantasiewelt geprägt.

Die Mutter hört ihrem Kind bei diesen Gesprächen zwar zu, hat aber keine tatsächlichen Antworten auf die vielen Fragen ihrer Tochter. „Na, vielleicht,” ist einer ihrer stereotypen Sätze. Sie summt auch ein schönes Kinderlied, um ihre Tochter ins Bett zu bringen und deren Fragen im Sand verlaufen zu lassen.

Müde große Augen einer Mutter

Frau Gärtner, wie Johannas Mutter genannt wird, legt ihr Inneres tatsächlich nur über ihre müden großen Augen offen, welche die Kamera immer wieder in Nahaufnahmen zeigt. Das Leben ist für diese Frau im botanischen Garten so wenig interessant, wie es für ihre Tochter aufwühlend und abenteuerlich ist. Frau Gärtner putzt den Boden nass auf, Frau Gärtner muss sich die unzufriedenen Kommentare von Herrn Blume, dem Gärtner, anhören. Sie muss in die Schule, um mit Johannas böser Lehrerin ein Machtwort zu reden. Und sie muss am Ende mit ihrer Tochter, deren kleinem Freund Mathias und seinem Vater, Herrn Blume, die idyllische und wilde Zauberwelt des alten botanischen Gartens verlassen.

Die Armut von Frau Gärtner

Über die Mutterfigur zeigt der Film eine Vertreterin der unteren Schichten. Sie lebt zwar in einer unkonventionellen Umgebung, muss aber mit wenig auskommen. Teilweise spricht der Film Themen von Armut an, indem er Frau Gärtner in denselben Kleidern zeigt wie immer, und die Wohnräume, sobald die Kamera sie von außen aufnimmt, wie ein armseliger Bretterverschlag wirken. Er spricht diese Armut ebenfalls an, wenn Frau Gärtner in einem nächtlichen Gespräch davon erzählt, warum Johannas Vater weggegangen ist. „Nein, es wird nie alles gut sein,” antwortet sie müde auf Johannas Träume.

Ein Ort der Ruhe und Stille

Dieser Ort ist jedoch kein Ort von Gewalt. Im Wesen von Frau Gärtner ist Güte, und in ihrer Mutterschaft sind Wärme und Liebe zu spüren. Wenn sie den Haushalt macht, summt oder singt sie. In dieser materiellen Armut herrschen Geborgenheit, Ruhe und Stille vor. Dass sich Johanna hier reich fühlen kann, ist offensichtlich. Auch, weil sie die wichtigste Person im Leben ihrer Mutter ist. Frau Gärtner sagt dies Johanna in ihrer einfachen und guten Sprache: „Aber Du gehst mir nie verloren.”

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