Der böse Drache unter den Lehrerinnen

In der Märchenwelt gibt es ein Tier, welches noch aus der Zeit der Mythen stammt und Feuer speit. Dieses Tier wird heute noch in Märchen, auch in modernen Märchen des Films eingesetzt. Oft hat es symbolische Bedeutung: Der Drache im Menschen ist ein Hinweis auf das bösartige und gefährliche Wesen, das Menschen zeigen können.

Entfremdung der Symbolfigur

Hier greift der tschechische Kinderfilm ‚Der blaue Tiger’ auf die Märchenwelt zurück, dies jedoch durch Entfremdung seiner Symbolfigur. So haben der Regisseur Petr Oukropec und die Drehbuchautorin Tereza Horváthová die Figur der Lehrerin Drachenfels als böse Frau erfunden. Sie steht für Themen von Gefahr, Bedrohung und Missbrauch, mit denen sich die kleine Heldin Johanna konfrontiert sieht. Frau Drachenfels hat nicht nur eine böse Zunge, sondern gelegentlich auch eine lockere Hand für eine Ohrfeige.

Soziale Arroganz und Ungerechtigkeit

Dass sie sich erlaubt, in bedrohlicher und demütigender Art über ihre Schülerin Johanna zu verfügen, wird in einigen Sequenzen auch als soziales Problem dargestellt, denn die Lehrerin wohnt mit ihren schicken Hündchen in Räumen, die einiges mehr hermachen als die bescheidene, aber saubere Behausung von Johannas Mutter. Hier geht es um den Kontrast zwischen der Stadtwohnung und einer Bleibe im botanischen Garten, um soziale Arroganz und Ungerechtigkeit.

Bisweilen zeigen Filmszenen, in denen sich die Lehrerin Drachenfels drohend über ihre Schülerin Johanna beugt, die schwarze Pädagogik einer Gesellschaft, welche Macht und Gewalt im Lehrberuf duldet. Bezeichnenderweise finden genau diese destruktiven Handlungen im dunklen Flur der Schule statt.

Turban und Tattoos

Kleidung und Erscheinung dieser bösen Frau sind eigenartig. Eine zu einem Turban aufgebaute Haarpracht macht die Gestalt größer, als sie ist, und bedrohlicher, als sie sein darf. Hinzu kommt, dass Johanna auf dem Rücken der Lehrerin Drachenfels ein Tattoo entdeckt: zwei Schlangen, die sich in der Fantasie des Mädchens anfangen zu bewegen. Dies sind deutliche Hinweise auf den Terror, mit dem Johanna durch diese Lehrerin erzogen wird.

Die Kleidung der bösen Frau ist in Mustern und Tönen gehalten, die eine Hexe andeuten. Der eiskalte Blick aus blauen Augen tut sein Übriges, denn der Kameramann Klaus Fuxjager gibt ihm durch Nahaufnahmen entsprechende Bedeutung. Johannas kindliche, dunkelbraune Augen reagieren mit Nachdenklichkeit und innerem Widerstand. So wird aus der Lehrerin Drachenfels eine Symbolfigur des Bösen. Die Schülerin Johanna zeigt indessen von diesem Augenblick an die Kraft und den Mut einer kleinen Heldin.

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